Wo warst du am 26.04.1986?

Die Älteren erinnern sich. Heute ist der 30. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl‬. Die radioaktive Wolke zog über halb Europa und auch nach Österreich.

Am 26. April 1986 wurde der schlimmste Alptraum wahr: Block 4 des Atomkraftwerkes von Tschernobyl explodierte in Folge eines gewagten Experimentes. Seitdem sind viele tausende Menschen in ganz Europa an Schilddrüsenkrebs und Leukämie erkrankt. Laut WHO werden bis zum Jahr 2065 bis zu 16.000 Menschen an Schilddrüsenkrebs erkranken. Die Fälle von Unfruchtbarkeit, Missbildungen bei Neugeborenen und fehlende Mädchengeburten sind deutlich gestiegen. Die Langzeitfolgen sind noch nicht absehbar. Über 200.000 Quadratkilometer Natur wurden radioaktiv verseucht, die meisten Gebiete liegen in der Ukraine, Russland und Weißrussland.

DIE EINEN LERNEN AUS KATASTROPHEN – DIE ANDEREN NICHT

Einige EU-Mitgliedsstaaten haben aus der großen Katastrophe gelernt. Als Reaktion auf den Super-GAU von Fukushima haben sie den Ausstieg aus der Atomenergie ganz oder teilweise eingeleitet. Andere wiederum halten vehement an dieser Energieform fest. Unsere Klubobfrau Eva Glawischnig: „Leider sitzen einige fanatische Atombefürworter auch in einflussreichen Positionen in der EU-Verwaltung. Dort rennen die Atomlobbyisten mit ihren Förderansuchen offene Türen ein.“

MEHR ATOMENERGIE AB 2030

Zwar produzieren alle in der EU noch laufenden 129 Atomkraftwerke anteilsmäßig immer weniger Strom: Mit 27 Prozent liegen sie gleichauf mit den Erneuerbaren Energien. Doch laut den Investitionsplänen der EU-Kommission soll der Anteil der Atomenergie ab 2030 mit einer neuen Generation von Kraftwerken wieder steigen. „Die Pläne der EU-Kommission sind ein Kniefall vor den Geschäftsinteressen der Atomkonzerne. Sie leugnen die tödliche Gefahr, die von AKW ausgeht. Sie ignorieren die Tatsache, dass wir Atomkraft zur Energieversorgung nicht brauchen. Und sie untertreiben die Kosten für Neubau, Betrieb, Rückbau und Entsorgung massiv“, so Glawischnig und weiter: „Die Atomlobby rechnet sich die Atomenergie schön und täuscht damit Wettbewerbsfähigkeit vor. Dabei kann sie ohne massive Subventionen längst nicht mehr auf dem Markt bestehen. Diese kostbaren Steuermilliarden sollten wir lieber für den Ausbau von Wind, Sonne und Wasser in die Hand nehmen.“

FOLGEN IN ÖSTERREICH MIT FREIEM AUGE SICHTBAR

Österreich gehörte damals zu den am stärksten betroffenen Ländern. Wenige Tage nach dem Reaktorunfall in der damaligen UdSSR waren die Folgen der radioaktiven Strahlung sogar in Österreich mit freiem Auge sichtbar. Diese Tatsache ist weitgehend unbekannt: „Bereits im Mai 1986 konnten die Schäden durch radioaktive Strahlung bei Kirschblüten und Apfelbaumblüten in Klagenfurt mit freiem Auge dokumentiert werden“, so unser Anti-Atomsprecher Mathias Köchl. Nach jenem 26. April 1986 stand ganz Europa unter Schock. Damals wurde unter Einsatz menschlichen Lebens ein Sarkophag über den geborstenen Reaktorblock errichtet. Diese alte Hülle ist mittlerweile sehr instabil, so soll noch heuer durch eine französische Firma eine neue Stahlhülle errichtet werden. Diese ist auch nur auf 100 Jahre Lebensdauer ausgelegt und kostet Milliarden.

KEINEN CENT FÜR ATOMENERGIE!

Wir Grüne bleiben bei unserem Standpunkt: Raus aus Atomenergie, und zwar weltweit! Bedauerlicherweise stehen auf der Projektliste der EU-Mitgliedsstaaten unverhältnismäßig viele Atomenergie-Projekte. Allein Großbritannien will für drei Atomkraftwerke Hinkley Point C, Wylfa und Moorside über 60 Milliarden Euro aus dem Investitionstopf. Polen will sich den Einstieg in die Atomenergie mit über zwölf Milliarden Euro finanzieren lassen. Auch Rumänien, Lettland, Ungarn, die Tschechische Republik und Rumänien haben Investitionen in Atomenergie angekündigt.

Atomausstieg, jetzt! Die Zukunft ist erneuerbar
Foto: https://www.gruene.at
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8 Kommentare

  1. Ich lebte zu der Zeit in der DDR. Erst nach der Wiedervereinigung haben wir erfahren, dass wir „etwas“ Pech hatten, denn genau zu der Zeit als die redioaktive Wolke über uns gezogen ist, hat es bei uns geregnet. Im „Westfernsehen“ haben wir gesehen, welche Maßnahmen in Bayern ergriffen wurden, um die Bevölkerung vor der niedergegengenen Radioaktivität zu schützen (Kinderspielplätze gesperrt…).
    Bei uns lief alles normal weiter. Die Regierung hat die Gefahr verschwiegen. Im Gegenteil: In der Schulkantine gab es komischerweise Salat. Gab es sonst nie! Nein, wir haben es nicht hinterfragt. Heute wissen wir, dass das die Ernte war, die die Bundesrepublik der DDR nicht abgekauft hatte, weil sie belastet war.
    So etwas nach zig Jahren zu erfahren, macht echtwütend.Kommen daher die vielen Krebsfälle heutzutage oder ist das Zufall oder persönliches Empfinden??

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    • Liebe Elisa,
      sehr vieles was heute ans Tageslicht kommt, macht mich wütend. Die Menschen wurden eigentlich überhaupt nicht informiert oder gewarnt.
      Ich persönlich glaube schon daß die vielen Krebsfälle und Schilddrüsenerkrankungen daher kommen, bekomme aber oft die Antwort „Blödsinn !! Krebs hat es früher auch schon so oft gegeben.“ Vielleicht bilde ich es mir ein …
      Pilze sind auch heute zum Teil noch stark belastet und kaum jemand hinterfragt das. Oder haben die Schwammerl-Sucher einen Geigerzähler dabei?

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