Glyphosat sorgt für leuchtende Äcker

Foto: Hermann Sorg
Foto: Hermann Sorg

Es fällt richtig auf: Überall grünt es und blüht es in satten Farben. Eine Farbe will aber nicht so recht in dieses Frühlingskonzert passen: Ein leicht nach ocker oder orange gehendes Gelb, das man in diesen Wochen überall sehen kann. Beim näheren Betrachten erkennt man, dass ursprünglich grüne Gräser und Blumen auf einmal gelb geworden sind. Ursache dafür ist das dieser Tage von den Landwirten ausgebrachte Breitbandherbizid Roundup (Handelsname von Monsanto). Hauptbestandteil dieses Herbizids ist das umstrittene Glyphosat.

„Es tötet auf Feldern und in Gärten alles, was grün ist: Roundup. Es ist zuverlässig, effizient und kostengünstig. Glyphosat, der darin enthaltene Wirkstoff, wird so häufig angewendet wie kein anderes Pflanzengift: vor der Saat und nach der Ernte, standardmäßig versprüht bei Raps, Wintergerste und Weizen. Für die Landwirte scheint es nicht ohne zu gehen, doch Kritiker sagen, dieses Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat sei krebserregend“, berichtete unlängst der Nachrichtensender des Bayerischen Rundfunks.

In den Schlagzeilen ist das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat seit 2015, nachdem es von Kritikern als krebserregend gegeißelt und angeblich im Bier und in der Muttermilch nachgewiesen worden ist.

Auffällig ist die unterschiedliche Bewertung dieses Wirkstoffes weltweit. DieWeltgesundheitsorganisation WHO stuft Glyphosat als „bei Tieren krebsauslösend“ und beim Menschen „höchstwahrscheinlich krebsauslösend“ ein. Die EU hat das Herbizid, dessen Zulassung Ende 2015 ausgelaufen ist, indes wieder zugelassen. In der Schweiz wurde das Abspritzen beispielsweise von Kartoffeln um einen gleichen Erntetermin zu erhalten, und das ebenfalls mit Glyphosat geschieht, jedoch verboten.

Pfluglose Bodenbearbeitung soll vor Erosion schützen

Mit dem verstärkten Ausbringen des Breitbandherbizids möchten die Landwirte die (teurere) mechanische Bodenbearbeitung, also eine Unkrautbekämpfung durch Hacken und Lockern des Ackerbodens, reduzieren. Damit soll gleichzeitig auch die Gefahr des Abtragens der Humusschicht durch Wind und Regen verringert werden. Diese sogenannte Bodenerosion ist ein unumkehrbarer Prozess und hat in Amerika und Afrika bereits Tausende von Quadratkilometern große landwirtschaftliche Nutzflächen in Wüsten verwandelt.

Auf der Ostalb stehen Experten, wie Ralf Worm, der Leiter vom Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis (LEV), dem Einsatz von Roundup beziehungsweise Glyphosat dennoch äußerst kritisch gegenüber.

Schlimmes Umweltgift oder „erprobtes Mittel“?

Der Einsatz des Unkrautbekämpfungsmittels in der Landwirtschaft sei zwar legal, aber dennoch nicht zu befürworten, sagt Worm: „Jedem denkenden Menschen muss doch klar sein, dass diese Praxis, Äcker mit Gift zu bewirtschaften, keine Zukunft haben kann.“ Tausende Jahre habe das Pflügen in der Landwirtschaft ganz wunderbar funktioniert, jetzt wolle die Industrie das Rad neu erfinden. „Und mit diesem Rad werden wir alle gegen die Wand fahren“, prophezeit Worm düster. Zwar sei das Arbeiten mit Glyphosat bequem und aktuell auch noch sehr günstig. Langfristig begebe sich die Landwirtschaft aber in die Abhängigkeit von Konzernen wie Monsanto, die damit Geld verdienen wollen. Deshalb werde auch diese Methode, die momentan massiv von der Industrie als kostengünstige „pfluglose Form der Ackerbewirtschaftung“ beworben wird, irgendwann sehr teuer. Trotz aller öffentlicher Kritik ist Worm davon überzeugt, dass sich die Menschen an die orange leuchtenden Glyphosat-Äcker im Frühjahr gewöhnen müssen. Auch auf der Ostalb. „Dieses Phänomen wird uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben, bis irgendwann dann doch unzweifelhaft festgestellt worden ist, dass dieses Mittel für Mensch und Natur auf Dauer schädlich ist.“

Beim Kreisbauernverband Ostalbkreis teilt man diese scharfe Kritik nicht. Glyphosat sei ein „lange erprobtes Mittel“, das in der Landwirtschaft bei korrekter Anwendung gute Dienste leisten kann, sagt Johannes Strauß, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Ostalb. Der große Vorteil von Glyphosat sei dessen schnelle Abbaubarkeit. Aus Sicht des Geschäftsführers des Kreisbauernverbands ist es deshalb vertretbar, Flächen im Frühjahr vor der Aussaat mit Glyphosat unkrautfrei zu spritzen. Problematisch sei lediglich das Abspritzen von bestehenden Kulturen vor der Ernte. Das hält auch Strauß für „bedenklich“.

Er weist abschließend noch darauf hin, dass in der Vergangenheit deutlich leichtfertiger mit der Chemiekeule hantiert worden sei – nicht nur, aber auch in der Landwirtschaft. „Heute wird von den Landwirten nur noch so viel gemacht, wie unbedingt nötig ist“, ist Strauß überzeugt.

http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Glyphosat-sorgt-fuer-leuchtende-Aecker-_arid,10433656_toid,297.html

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