TORCH – Der andere Bericht über Tschernobyl

30 Jahre nach der Tschernobyl Katastrophe sind die gesundheitlichen Auswirkungen der Katastrophe dramatischer als ursprünglich angenommen.

Anlässlich des 30. Jahrestages der Katastrophe beauftragten wir gemeinsam mit der Wiener Umweltanwaltschaft den britischen Radiologen, Dr. Ian Fairlie, mit einer Aktualisierung seiner Studie „The other report on Chernobyl“ zu den gesundheitlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe, insbesondere zu den Auswirkungen auf Österreich. Die Ergebnisse zeigen auch 30 Jahre nach der Verseuchung die zerstörerischen Auswirkungen der zivilen Nutzung von Atomkraft.

Die erneute Untersuchung des Tschernobyl-Super-GAUs kommt zu dem Ergebnis, dass in Summe mindestens 40.000 Todesfälle weltweit durch die Reaktorkatastrophe zu beklagen sein werden. Nach Weißrussland war Österreich mit 13 Prozent seiner Gesamtfläche weltweit am zweitstärksten von der hohen Cäsium-Belastung der Tschernobyl-Katastrophe betroffen, auch radioaktives Jod traf Österreich stark.

Radioaktive Belastung nach Tschernobyl Katastrophe mit Jod-131

Verseuchtes Land

Weißrussland, die Ukraine und Russland sind jene Länder, die durch das Reaktorunglück in Tschernobyl am stärksten kontaminiert wurden und noch immer sind. Über fünf Millionen Menschen leben auch jetzt noch in Gebieten mit hoher Radioaktivität. 400 Millionen Menschen leben in Gegenden mit einer hohen Cäsium-Boden­belastung, diese machen 40 % der europäischen Landfläche aus. Auf Westeuropa (Europa ohne Weißrussland), Ukraine und Russland entfielen 37 % des gesamten Tschernobyl-Fallouts von radioaktiven Stoffen und 40 % der radioaktiven Strahlenbelastung.

Radioaktive Belastung mit Tschernobyl Katastrophe mit Cäsium-137

Zehntausende zusätzliche Krebserkrankungen erwartet

Langfristig (innerhalb von 50 Jahren) werden 40.000 zusätzliche tödliche Krebserkrankungen erwartet. Eine ähnlich große Anzahl wie infolge der Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945. Bis heute wurden schon 6.000 zusätzliche Schilddrüsenkrebsfälle registriert und weitere 16.000 Fälle werden langfristig noch erwartet.

Schilddrüsenkrebs häufiger in Österreich

Neue Daten zeigen einen Anstieg von Schilddrüsenkrebsfällen auch in Österreich, ähnlich wie vergleichbare Studien in anderen Ländern. Verstärkte Überwachung, Diagnose und medizinischen Expositionen zu radioaktivem Jod sind teilweise die Ursache, aber 8 % bis 40 % der erhöhten Schilddrüsenkrebs-Fällen in Österreich nach 1990 sind wahrscheinlich aufgrund von Tschernobyl aufgetreten.

Die Ergebnisse neuer Studien liefern zuverlässige Daten zu erhöhten Inzidenz von Leukämien, Tumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychischen Leiden, Fehlbildungen bei Neugeborenen und andere Strahleneffekte in den am stärksten betroffenen Ländern.

Kinder, die in hochbelasteten Gebieten leben und kontaminierte Nahrung zu sich nehmen, leiden unter einem verschlechterten Gesundheitszustand. Auslandsaufenthalte sind von großem Vorteil für die „Kinder von Tschernobyl“.

Empfehlung an die Kommission und Regierung

Die Europäische Kommission und die nationalen Regierungen sollten humanitäre Maßnahmen ergreifen, um die anhaltende Notlage der Kinder von Tschernobyl zu lindern. Bestehende NGOs und medizinische Hilfsorganisationen, welche Auslandsaufenthalte dieser Kinder organisieren, sollten unterstützt werden.

30 Jahre nach dem Unfall wird weiterhin humanitäre Hilfe für die Kinder von Tschernobyl benötigt. Weitere Empfehlungen betreffen die Finanzierung von Forschungsprogrammen zur Untersuchung der Langzeitfolgen von Tschernobyl, wozu auch die Einrichtung von Krebsregistern gehört.

 

„TORCH – The Other Report on Chernobyl“ ist eine unabhänige wissenschaftliche Abschätzung der gesundheitlichen Folgen der Tschernobylkatastrophe von Dr. Ian Fairlie. Den Originalbericht in englischer Sprache finden Sie unten im Downloadbereich.

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