David gegen Monsanto

Im ORF wurde kürzlich die Doku „David gegen Monsanto“ gezeigt (leider nur mehr 2 Tage verfügbar): http://tvthek.orf.at/program/NaturWissen-David-gegen-Monsanto/9579547/NaturWissen-David-gegen-Monsanto/9577475/David-gegen-Monsanto/9585924

Ich hab schon viel von Monsanto gehört, aber was hier gezeigt wurde, ist unfassbar !!! Weil der Wind die Pollen von genmanipuliertem Monsanto Saatgut auf das Feld eines Landwirtes weht, der mit Monsanto gar nichts am Hut hat, begeht dieser eine Patentrechtsverletzung … ???

Percy Schmeiser im Januar 2008
Percy Schmeiser im Januar 2008

In Kanada züchtete der Landwirt Percy Schmeiser seit Jahrzehnten Raps unter den dortigen Bedingungen. Er behielt von seiner Ernte jedes Mal soviel zurück, wie er selbst als Saatgut für die nächste Aussaat benötigte. So konnte er seine Rapssorten besser an die regionalen Verhältnisse – Geologie, Klima – anpassen. Percy Schmeiser produzierte gentechnikfrei, das heißt, er benutzte konventionelles und kein transgenes Saatgut.

Wenige Jahre nach Einführung der RoundupReady-Rapspflanzen, einer Gentechnik-Pflanze des Agrochemie-Konzerns Monsanto, wurden seine gentechnikfreien Rapsfelder mit diesem patentierten gentechnisch veränderten Organismus (GVO) kontaminiert. Im Folgejahr säte Percy Schmeiser wie üblich einen Teil seiner Ernte aus. Damit wuchs auf seinen Feldern unbeabsichtigt nun auch gentechnisch veränderter Raps, der durch Kontrolleure von Monsanto aufgespürt wurde. Monsanto verklagte daraufhin Percy Schmeiser wegen Patentverletzung.

Das Gericht hielt es für erwiesen, daß Schmeisers Rapsfelder zu 95 bis 98% Monsantos Genraps enthielten. Von 28 Testergebnissen ergaben nur 4 diesen Wert, der Rest schwankt zwischen 69 und 0 %. Fast alle Feldproben wurden hinter Schmeisers Rücken beschafft. Die Sachverständigen waren Monsanto Angestellte oder von Monsanto bezahlt. Die entscheidenden Gentests stammten aus Monsanto Labors.

Monsanto ließ Schmeiser sogar bespitzeln und verfolgen. Tagelang standen Detektive mit ihrem Pkw vor Schmeisers Hofeinfahrt, folgten ihm bis auf die Felder und beobachteten jeden seiner Schritte.

Schmeiser bekam auch einen Anruf von seiner Bank, die ihm mitteilte, daß sein Konto aufgelöst werden würde, weil Monsanto der Zentrale dieser Bank drohte alle ihre Konto schließen zu lassen, wenn sie Percy Schmeisers Konto nicht kündigen.

Die 2004 gefallene Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von Kanada bestätigte das Patentrecht und die daraus abgeleiteten Ansprüche der Patentinhaber.
Im Gegensatz zur europäischen gehören nach kanadischer Rechtsauffassung einem Patentinhaber die transgenen Pflanzen bzw. das daraus gewonnene Saatgut sogar dann noch, wenn ein Landwirt das Saatgut gegen eine Lizenzgebühr gekauft und dann angebaut hat. Dennoch weigerte sich Percy Schmeiser, Lizenzgebühren bzw. Schadensersatz zu zahlen und erklärte, er sei unschuldig. Seine Begründung: Da er das zu den transgenen Pflanzen passende Herbizid Roundup gar nicht eingesetzt hatte, habe er durch die Herbizidresistenz der transgenen Rapssaat keine Vorteile erzielt. Daraufhin hat Monsanto ihn wegen Patentverletzung auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt.

In der ersten Instanz verlor Percy Schmeiser: Er wurde schuldig gesprochen und zur Zahlung verurteilt. Aber er wehrte sich. Der Rechtsstreit zog sich über mehrere Jahre hin. Das oberste kanadische Gericht entschied letztlich, Percy Schmeiser könne den Prozess zwar nicht gewinnen, da Monsantos Roundup-Ready-Rapspflanzen nachweislich auf seinen Feldern gewachsen waren, er müsse aber nicht rückwirkend Lizenzgebühren und keinen Schadensersatz an Monsanto zahlen.

Während dieser Zeit des Rechtsstreits wurde Schmeiser zunehmend als Symbolfigur und Sprecher im Kampf unabhängiger Landwirte um ihre Rechte und als Verfechter strenger Regulierungen und Haftungspflichten für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bekannt.

Im Oktober 2000 wurde Schmeiser für seinen Einsatz mit dem Mahatma Gandhi Award geehrt, 2007 wurde dem Ehepaar Percy und Louise Schmeiser der „Alternative Nobelpreis“ verliehen:

„… for their courage in defending biodiversity and farmers‘ rights, and challenging the environmental and moral perversity of current interpretations of patent laws. (… für ihren Mut bei der Verteidigung der Biodiversität und der Rechte der Landwirte und dafür, dass sie die Perversität der gegenwärtigen Auslegung der Patent-Gesetzgebung in Bezug auf die Umwelt und die Moral aufzeigen und anprangern.)“

Im Januar 2008 war Schmeiser für drei Wochen auf Vortragsreise in Süddeutschland und Österreich. Nach seiner Rückkehr nach Kanada wurde am 23. Januar 2008 ein weiterer Prozess eröffnet, in dem diesmal Schmeiser die Firma Monsanto wegen fortgesetzter Kontamination seiner Felder verklagte. Percy Schmeiser forderte Monsanto auf, die fremden Pflanzen von seinen Feldern zurückzuholen. Nachdem Monsanto eine gesetzte Frist verstreichen ließ, ließ Percy Schmeiser die Pflanzen einsammeln und stellte Monsanto die Kosten für das Einsammeln in Rechnung. Monsanto reagierte nicht, woraufhin Percy Schmeiser gegen Monsanto klagte und Januar 2008 der Prozess eröffnet wurde.

Kurz vor Verhandlungsbeginn erklärte Monsanto, die Rechnung bezahlen zu wollen. Monsanto konnte auch nicht erreichen, dass Percy Schmeiser die üblichen Verschwiegenheitsklauseln unterzeichnete. Stattdessen musste Monsanto ihm schriftlich zugestehen, dass er über den gesamten Vorgang öffentlich berichten darf. Allerdings konnte Monsanto durch diese außergerichtliche Klärung verhindern, dass der Konzern durch ein Gerichtsurteil schuldig gesprochen wurde.

HEUTE

gibt selbst Kanada zu, daß Genraps allgegenwärtig ist. Und egal auf welche Weise das Saatgut kontaminiert wird (durch Wind, durch Fahrzeuge, durch den Farmer selber), es gehört dem Farmer dann nicht mehr. Es wird Eigentum von Monsanto nach dem Patentrecht. Egal wie hoch die Kontamination ist, 1 %, ein halbes %, 2 % – dem Landwirt gehören seine Pflanzen nicht mehr.

Und auch wenn man es uns immer wieder einreden möchte, gentechnisch modifiziertes Saatgut bietet keinen Vorteil für Landwirte oder Verbraucher. Eine von Universitäten ausgehende Untersuchung  von der am häufigsten angebauten gentechnisch modifizierten, herbizid-toleranten Sojabohnen enthüllte, dass diese 6,7% weniger Ertrag einbringen und bis zu fünf Mal mehr Herbizide benötigten als nicht gentechnisch modifizierte Sorten.
Es wurden ausserdem folgende Probleme festgestellt: Fehlerhaftes Wachstum, Anfälligkeit für Krankheiten, Fruchtabwurf und geringe wirtschaftliche Erträge für Landwirte.

Gentechnisch modifiziertes Saatgut stabilisiert insbesondere das Monopol der grossen Unternehmen auf Lebensmittel. Dadurch werden landwirtschaftliche Familienbetriebe in den Ruin getrieben.
Es wird überdies die erforderliche Wende zu einer nachhaltigen Landwirtschaft verhindert, welche die Lebensmittelsicherheit und die Gesundheit auf der Welt garantieren könnte.

Die Konzerne wollen die totale Kontrolle über das Saatgut und damit die totale Kontrolle über die Nahrungsmittelversorgung.

(Bild: Grace Winter/pixelio.de)
(Bild: Grace Winter/pixelio.de)

 

In der EU

gilt das Verursacherprinzip. Danach haften Eigentümer oder Pächter der Felder, auf denen die transgenen Pflanzen absichtlich angebaut wurden, für die Kontamination gentechnikfreie Felder mit transgener Saat oder transgenen Pflanzen.Hinschtlich der ökologischen und sozialen Auswirkungen betont Percy Schmeiser vor dem Hintergrund des Rechtsstreits „Monsanto gegen Schmeiser“ immer wieder, wie wichtig es sei, zu verstehen, was sich in (s)einem Land zugetragen hat, in dem der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bereits seit mehr als einem Jahrzehnt erlaubt ist.

  • Die ökologischen und ökonomischen Folgen: Kontamination sei nicht zu vermeiden; das heißt, Koexistenz ist auf Dauer nicht möglich. Wer gentechnikfrei oder sogar ökologisch produzieren wolle, sei auf Dauer in seiner Existenz bedroht.
  • Die gesellschaftlichen Folgen: Es herrsche eine Atmosphäre der Angst durch Monsantos Drohungen und Verschwiegenheitsklauseln, die die Beziehungen zwischen den Farmern und Nachbarn zerstören würden.

Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel

Wird diese jemals in verbraucherfreundlicher Form kommen? Ich stelle mir das aufgrund der raschen Kontamination schwierig vor und bin sicher Monsanto wird sich das nicht gefallen lassen. Dafür ist die Profitgier in unserem System zu stark ausgeprägt und die Macht der Konzerne zu groß.

„Wir haben oft darüber nachgedacht was für eine Zukunft wir unserer jungen Generation hinterlassen wollen. Eine Zukunft mit Böden und Wasser voller Gifte? Noch haben wir die Chance das richtige zu tun. „
(Percy Schmeiser)

 

monatliche Blogparade zum Thema einfach.nachhaltig.besser.leben

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10 Kommentare

  1. Hallo,
    danke, dass Du an unserem Link-up teilgenommen hast! Das Thema Saatgut ist super wichtig, ich glaube schon fast, es ist *das* Thema der kommenden Jahre. Wie will man autark leben, wenn einem die aller-grundlegenste Basis genommen wird: Das Recht auf eigene Lebensmittelproduktion? Aber nicht nur, dass Konzerne das Monopol auf ein Grundrecht ausüben können – was damit der Umwelt angetan wird, ist überhaupt nicht klar. Danke auf jeden Fall für den hochinformativen Beitrag, den ich wirklich gerne gelesen habe!
    Würdest Du bitte noch einen Backlink zur Parade einfügen? Merci! 🙂
    alles liebe,
    frederike

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für den Link !! Ich wollte schon recherchieren ob man herausfinden kann wo überall Monsanto drin ist. Warum überrascht mich das jetzt nicht, daß die Nestle Spalte die längste ist 🙂
      Mondelez (Mirabell) Mozartkugeln … ich bin schockiert … wieviele Touristen kaufen das und verteilen somit das genmanipulierte Zeugs quer über den Globus.
      Die Liste ist beachtlich … unfassbar !!! Muß ich gleich teilen !!

      Gefällt mir

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