Ich habe genug

FAUST

Ich habe genug von diesem schwarzen Sommerhimmel, der mich ständig mit seinen Regengüssen vor sich her treibt, von den Halbwahrheiten, die mir Tag und Nacht in den Nachrichten aufgetischt werden, von der Heimlichtuerei um das Freihandelsabkommen. Ja schon von der Bezeichnung Freihandelsabkommen habe ich genug, weil es ein Knebelvertrag sein wird, der uns unfrei macht, und wenn ich an die Folgen von dem, was da durchsickert, denke, habe ich noch mehr genug.

Ich habe genug von all den Propagandageschichten, mit denen uns die Medien durch Kriege und Fast-Kriege peitschen, von Vermutungen, die wie Fakten behandelt werden, ich habe genug davon, dass es so gut wie nie um das Menschliche und um das Leid geht, sondern darum, dass wir die Guten sind und die Anderen die Bösen. Ich habe genug davon, dass wir in unserem Bestreben, den „Feind“ zu strafen, am Ende zu unserem eigenen Feind werden.

Am liebsten würde ich ganz laut „Bitte redet doch mit einander“ schreien, so laut, dass sie es auf der ganzen Welt hören. Naiv, ja.

Ich habe total genug von diesen sinnlosen, hoffnungslosen, aussichtslosen Kriegen, die gerne Krisen genannt werden, und die so viele Menschen, die nicht einmal wissen, welche Länder an ihre eigenen grenzen, dazu animieren, aus sicherer Entfernung gehässige, gemeine, ignorante und menschenverachtende Kommentare abzugeifern.

Ich habe genug davon, Vanilleersatz aus Papierabfällen zu essen, Nahrung durch meinen Körper zu jagen, in der sich Mikroplastikteile und künstliche Zusätze befinden, die mich krank machen. Ich habe genug davon, dass Fleisch in den Regalen liegt, das von malträtierten und mit Antibiotika am Leben erhaltenen Tieren strammt, und ich habe genug davon, dass mir das Aluminium in meinem Deo womöglich Brustkrebs beschert.

Ich habe genug von diesen edlen Shoppingtempeln, in denen Bluttextilien hängen, genäht von Menschen am anderen Ende der Welt, die in bitterster Armut dahin vegetieren oder sterben, weil die Fabrik eingestürzt oder in Flammen aufgegangen ist.

Ich habe genug davon, dass die Einen Geld verdienen, ohne zu arbeiten und die Anderen arbeiten, ohne Geld zu verdienen.

Ich habe genug von meinen eigenen Gedankenpirouetten, die sich ewig im Kreis drehen, von der Beklemmung, die mich befällt, wenn ich an jene denke, die sich als künftige Weltbeherrscher sehen, ich habe restlos genug von all diesen verantwortungslosen, zynischen, verächtlichen, gesichtslosen, von Macht und Geldgier getriebenen schwarzen Eminenzen, denen ich womöglich über kurz oder lang völlig ausgeliefert sein werde und ich habe genug von dem Vorgeschmack, den ich jetzt schon habe.

Ich habe genug davon, nicht zu wissen, wer von wem gelenkt wird, um mich zu manipulieren, mich zu hintergehen, mich in die falsche Richtung zu treiben, ich habe genug davon, nie sicher zu sein, die Täuschungsmanöver durchschauen zu können. Ich habe genug davon, mich immer wieder von diesem belogenen, betrogenen Mainstream mitreißen zu lassen und mich dann mühsam ans Ufer der Wahrheit kämpfen zu müssen.

Und ich habe genug davon, nicht mehr erkennen zu können, was in Wahrheit die Wahrheit ist.

Elisabeth Zacharia ist Autorin des Buches „Warum Kühe lachen und Hühner nicht weinen… Die dunkle Seite des Konsums – wie uns Konzerne in die Tasche lügen“(Goldegg-Verlag).

http://www.huffingtonpost.de/elisabeth-zacharia/gaza-krieg-ernaehrung-lebensmittel-luegen-wahrheit-ich-habe-genug_b_5649983.html

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2 Kommentare

  1. Aktuell habe ich auch genug von den Luegen der Mainstreammedien, insbesondere, was die „Krise“ oder den „Krieg“ in Palaestina anbelangt. Es erinnert mich an das Warschauer Ghetto, was da abgeht, an Tibet, an Suedafrika… Aber wehe, man reisst seinen Mund zum Thema auf! Antisemitisch, israelfeindlich und was man nicht alles ist auf einmal… Dabei sprechen die Zahlen und die Geschichte eine deutliche Sprache. Die Palaestinenser haben dort urspruenglich gelebt ueber Jahrhundert, wenn nicht Jahrtausende. Und dann kommt Grossbritannien und verschenkt Land, das ihnen nicht einmal gehoert. Und die Palaestinenser haben seither mehr und mehr Land verloren, seit den 1940er Jahren. Es gibt kein Rauskommen aus Gaza (daher der Warschauer-Ghetto-Vergleich). Es sind ueber 1800 Menschen in Gaza gestorben, weniger als 100 auf israelischer Seite. Von den 1800 sind die meisten Zivilbevoelkerung, kaum verwunderlich, denn Palaestina hat kein offizielles Heer, daher weder eine richtige Luftwaffe (inklusive Raketenabwehrsystem), noch eine Marine. Von den ca. 70 Toten auf israelischer Seite sind die meisten Soldaten. Wenn ein Staat gezielt Zivilbevoelkerung, Schulen, Stromversorgung, ja sogar Krankenhaeuser und Ambulanzen angreift, wer ist dann der Terrorist, wer ist da militant? Und wer kann es den Palaestinensern da veruebeln, dass sie Widerstand leisten? Die Besatzung gehoert aufgehoben. Die Menschen muessen ausreisen duerfen und sie muessen geschuetzte Bereiche bekommen, Zufluchtsorte fuer die Zivilbevoelkerung, aber der ORF und andere Medien berichten auch heute wieder lieber davon, dass die „radikalislamische militante Hamas“ wieder Raketen auf Israel schiesst, die uebrigens ein sehr funktionsfaehiges Raketenabwehrsystem haben und internationale Unterstuetzung, finanziell, wie militaerisch…. Solange die Blockade nicht aufgehoben wird, wird es auch weiter Protest geben. Das ist kein Krieg, wenn ein Heer auf Zivilbevoelkerung schiesst. Das ist Mord.

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